Ringvorlesung:
Staatsfiktionen: Denkfiguren des Politischen Gemeinwesens
Prof. Eva Kreisky
Letzte Aktualisierung: 12. Januar 2010
Inhalte der einzelnen Vorträge:
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Abstracts zu den Vortägen |
Infos zu den Vortragenden |
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Literaturhinweise |
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| 1. Staatsverständnisse und Methodik | |
22.10.09 |
"Führung muss sein." Carl Schmitt ist ein autoritärer Denker in der Tradition von de Maistre, Bonald und Cortés. Er verachtet den Liberalismus und zeichnet seinen Aufstieg als Verfallsgeschichte. Der Weg hin zur zunehmenden Akzeptanz von Pluralismus im Rahmen rechtsstaatlicher, liberaler Demokratien ist für Schmitt fehlgeleitet. Er beschwört dagegen Einheit, Substanz und erlebte Übereinstimmung in Abgrenzung des Freundes vom Feind. Zumal in Zeiten der Beschwörung von Staatsnotständen im Rahmen der Terrorbekämpfung macht es Sinn, Schmitts Denken vom Ausnahmezustand her, seine Zuspitzung des Begriffs des Politischen auf den Antagonismus von Freund und Feind, auf theoretische wie praktische Implikationen hin zu befragen. |
Elisabeth Holzleithner, Dr. iur., ist Assistenzprofessorin am Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht der Universität Wien. Im WiSe 2006/07 war sie Gastprofessorin für Legal Gender Studies an der Universität Zürich. |
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Carl Schmitt: Der Begriff des Politischen, Text von 1932 mit einem Vorwort und drei Corollarien, 3. Auflage, Berlin 1963. Reinhard Mehring (Hg.): "Carl Schmitt. Der Begriff des Politischen. Ein kooperativer Kommentar", Berlin 2003. (Daraus insbesondere die Texte von Bernd Ladwig: "Die Unterscheidung von Freund und Freind als Kriterium des Politischen", S. 45-60, und Detlef Lehnert: "Der Staat als Form der politischen Einheit, durch den Pluralismus in Frage gestellt", S.71-92.) |
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29.10.09 |
Leviathan und Behemoth Hobbes’ Leviathan trifft auf größte Bewunderung und tiefste Ablehnung. In seiner Staatstheorie bedient sich Hobbes „visueller Strategien“. In Mythen werden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einer symbolischen Einheit verdichtet. Carl Schmitt nennt vier Bilder vom Leviathan: Mensch, Tier, Maschine und sterblicher Gott. Wenn Bilder erzählen und zum Betrachter sprechen, spricht Otto Neurath von visuellen Argumenten. Titelbilder, Gemälde etc. liefern uns Bausteine einer Grammatik des sozialen Körpers. Die Wahrnehmungspsychologie sagt, dass alle unsere Gedanken, Erinnerungen, Bilder nicht als „Bilder“, sondern durch zeitliche Rhythmen in unserem Gehirn codiert werden („Hirnmusik“). |
Rüdiger Voigt, Jg. 1941, Dr. jur., em. Professor für Verwaltungswissenschaft an der Universität der Bundeswehr München, z.Zt. Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Universität Siegen. Autor und Herausgeber zahlreicher Arbeiten zur Staats- und Rechtstheorie, Kriegswissenschaft und Weltordnungspolitik. |
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Bredekamp, Horst, 2003: Thomas Hobbes, Der Leviathan. Das Urbild des modernen Staates und seine Gegenbilder. 1651−2001, 2. Aufl. Berlin. |
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05.11.09 |
Tropen des Staates Die Vorlesung widmet sich einer Rhetorik des Staates, welche die Literatur verwendet, um unterschiedlichste Formen von politischen Gemeinwesen zu beschreiben. Es soll gezeigt werden, in welcher Weise literarische Texte auf ihre tropische Verfassung hin gelesen werden können und welcher rhetorischen Figurationen sie sich bedienen, um die Konstruktionen des Staates diskursiv zu erschließen. In der Analyse von exemplarischen Beispielen (u.a. Grillparzers Libussa, Horváths Die italienische Nacht, Wolfs Medea. Stimmen) wird das Augenmerk auf Metaphern, Metonymien und Personifikationen des Staates gelenkt. |
Stefan Krammer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Germanistik und dort mit der Leitung des Fachdidaktischen Zentrums betraut. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in folgenden Bereichen: Österreichische Literatur, Literaturdidaktik, Gender, Drama und Theater. |
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Grillparzer, Franz: Libussa (Reclam) |
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12.11.09 |
Geschlechterordnungen als staatliche Herrschaft "Ich sehe in dieser inneren Kraft, die sich mehr an das Amt als an den Beamten, mehr an den Mann als an die äußeren Zeichen seiner Macht knüpft, etwas Männliches, das ich bewundere", schreibt der scharfsinnige Analytiker der amerikanischen Demokratie, Alexis de Tocqueville im Jahr 1835. Der Staat ist männlich. Dies ist heute die Diagnose feministischer Politikwissenschaftlerinnen, und kein Politikwissenschaftler würde dies so emphatisch konstatieren. Doch was heißt es, dass der Staat männlich ist? Die feministische Konzeptualisierung von Staat und Staatlichkeit, wie sie der Vortrag vorstellt, analysiert und dekonstruieret Geschlechterherrschaft im und durch den Staat, also die staatlich-institutionelle Hervorbringung von hierarchisierter Zweigeschlechtlichkeit. |
Birgit Sauer, Dr. phil., Politikwissenschaftlerin, Univ.-Professorin am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien. Forschungsschwerpunkte: Politik der Geschlechterverhältnisse, Gender und Governance/Critical Governance-Studies, Staats-, Demokratie und Institutionentheorien sowie vergleichende Policy-Forschung. |
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Neoliberale Transformation von Staatlichkeit und Geschlechtergewalt, in: Dimmel, Nikolaus/Schmee. Josef (Hg.): Die Gewalt des neoliberalen Staates. Vom fordistischen Wohlfahrtsstaat zum repressievn Überwachungsstaat, Wien: facultas, 2009, S. 91-112. |
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| 2. Bilder von Staatlichkeit | |
19.11.09 |
Führer, Gründer, Krieger Es gibt zwei große Gründungsmythen in der europäischen Tradition, die Gründung des Volkes Israel und die Gründung der Stadt Rom. In beiden Fällen spielen Führer-Figuren (Moses und Romulus) eine entscheidende Rolle, in beiden wird ein Land gewonnen, das dann zum Territorium des neuen Staats werden wird, in beiden wird Gewalt nicht nur gegen äußere Feinde, sondern auch gegen die eigenen Leute eingesetzt. Damit sind die Parallelen allerdings erschöpft. Moses ist ein gänzlich anderer Führer als Romulus, das Volk Israel ein ganz anders gedachtes Gemeinwesen als das Römische Reich. Die Vorlesung wird sich diesen zwei Modellen widmen, die politischen Implikationen dieser zwei Gründungsmythen analysieren und ihre Folgen bis heute nachzeichnen. |
Eva Horn ist Professorin für Neuere deutsche Literatur am Institut für Germanistik Wien. Zahlreiche Publikationen zur Literatur der Moderne und politischer Theorie. Zuletzt erschienen: Der geheime Krieg. Verrat, Spionage und moderne Fiktion, Frankfurt 2007. |
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Die Bibel: 2.-5. Buch Moses |
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26.11.09 |
Staatliche Übergänge zwischen Demokratie und Barbarei 20. und 21. Jahrhundert sind nicht durch langlebige stabile Staatsformen sondern durch permanente Übergänge und Übergangsformen gekennzeichnet. Die Träger staatlicher Herrschaft zeichnen sich mit wenigen Ausnahmen nicht durch Legitimierung sondern durch die Delegitimierung eines historisch gewachsenen Verständnisses der res publica aus. Ikonisierte fiktive Geschichtserlebnisse in Medien und Film, meist anknüpfend an die Romantisierung und Relativierung realer Erfahrungen, ersetzen das notwendige Ringen um eine selbstbestimmte Rolle des Individuums gemäß dem Urknall der politischen Moderne 1789 mit ihrer Verkündigung des Anspruchs auf Bürger- und Menschenrechte in wirtschaftlich und politisch demokratisch geordneten Gemeinwesen. Der Staat in seiner heutigen Kapitalförmigkeit ist stets offen für kolonialistische, enthumanisierende und genocide Praktiken. Der internationale Film trägt dem umfassend Rechnung. |
Frank Stern ehrt seit 2004 Visuelle Zeit- und Kulturgeschichte an der Universität Wien. Davor Leiter des Zentrums für deutsche und österreichische Studien an der Ben Gurion Universität des Negev in Israel. Forschungen zur österreichischen und deutschen Zeitgeschichte, zur Visual History und zu jüdischer Geschichte und Kultur. Kurator von Filmretrospektiven zum deutschsprachigen, israelischen und palästinensischen Film sowie zu Themen der jüdischen Lebenswelten, zum Filmschaffen unter der NS-Herrschaft und zum Film im Sozialismus. Zahlreiche Publikationen zum internationalen Film, zum Film als Siebente Kunst. Mitorganisator des Jüdischen Filmclubs Wien. |
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03.12.09 |
„Wenn wir Menschen sehen, sehen wir nur Staatsmenschen.“ Der Staat prägt Denkmuster, Lebensweisen und Lebensläufe nachhaltig v.a. durch seine bürokratischen Strukturen. Wie diese Durchstaatlichung fast alle Lebensbereiche erfasst und darüber hinaus - im Gegensatz zur alltäglichen Bürokratiekritik - auch noch hervorragend funktioniert, lässt sich anhand zahlreicher literarischer Texte zeigen. Gerade wo die Poetik bürokratische Sprache und Praxis reflektiert, sie parodiert, verfremdet und in Übertreibungen bloßstellt, gewinnt die Literatur nicht nur eine affine Nähe zu Alltagserfahrungen, sondern erfasst auch soziologisch sowie politikwissenschaftlich relevante Aspekte moderner Staatlichkeit. Anhand verschiedener Textbeispiele (von Veza Canetti, Konrad Bayer und Heimrad Bäcker) soll die Poetik der Bürokratie skizziert und diskutiert werden. |
Sabine Zelger, Literaturwissenschafterin Zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschsprachigen Literatur mit Fokus auf Kommunikation, Verwaltung, Staatsdiskurs. Letzte Buchpublikation: „Das ist alles viel komplizierter, Herr Sektionschef! Bürokratie - literarische Reflexionen aus Österreich. Wien: Böhlau Verlag 2009. Derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte am Institut für Germanistik der Universität Wien. |
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Bourdieu, Pierre: Staatsgeist. Genese und Struktur des bürokratischen Feldes. In: ders.: Praktische Vernunft. Zur Theorie des Handelns. Frankfurt am Main 1998. S. 91-136. |
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10.12.09 |
Staatenlenker und Staatsdiener |
Eva Kreisky |
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| 3. Auseinandersetzungen mit staatlicher Herrschaft | |
17.12.09 |
König, Kanzler, Präsident Die Zwischenkriegsjahre in Deutschland und Österreich – insbesondere bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten bzw. Austrofaschisten – waren von heftigen Kontroversen zu Fragen der Gestaltung des neuen Staates geprägt. Diese Auseinandersetzung fand nicht nur auf politischer und staatstheoretisch-akademischer Ebene statt, sondern auch in Literatur und Film. Das Kino entwickelte sich nur wenige Jahre nach seiner „Erfindung“ rasch zu einem ideologisch und politisch umkämpften Ort. Anhand einiger Filmbeispiele soll mit besonderem Blick auf ihre Darstellung verschiedener Träger (und Trägerinnen?) von Staatsgewalt diskutiert werden, wie die Staats- und Herrschaftsdiskurse der Zwischenkriegszeit auf filmischer Ebene geführt und fortgeschrieben wurden. |
Martin Weidinger, Politikwissenschaftler und Amerikanist, seit 2002 Lehrbeauftragter am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien, seit 2008 Projektmitarbeiter ebendort, Forschungsschwerpunkte Film und Politikwissenschaft, politische Theorie und Ideengeschichte, US-amerikanische Kulturgeschichte |
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Kracauer, Siegfried (1984): Von Caligari zu Hitler. Eine psychologische Geschichte des deutschen Films, Frankfurt/Main. |
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14.01.10 |
Dimensionen von Staatlichkeit Utopien sind Wunsch- oder Furchtbilder eines politischen Gemeinwesens. Nach dem Schock des Ersten Weltkrieges schienen in Österreich utopische Wunschbilder obsolet. Die ersten Negativ-Utopien (Dystopien) entstanden. Doch gleichzeitig waren die utopischen Energien keineswegs erschöpft: Sozialprojekte wie das „Rote Wien“ zeugen ebenso davon wie austro-faschistische Experimente. Im Vortrag wird eine Schnittstelle zwischen politischer Theorie und fiktionaler Literatur anhand utopischer Überlegungen zu Staatlichkeit untersucht. Staatstheoretische Abhandlungen der Zeit sind zumeist nicht minder utopisch als literarische Erkundungen einer imaginierten Gesellschaft. In ihrem Zusammenwirken wird klar, dass die Einschätzung als Wunsch- oder Furchtbild im Auge des Betrachters/ der Betrachterin liegt. |
Marion Löffler ist Assistentin am Institut für Politikwissenschaft. Forschungsschwerpunkte: Politische Theorie und Ideengeschichte – insbesondere Staatstheorie und feministische Theorie; Demokratietheorien, Frauen- und Geschlechterforschung sowie Literatur in der politiktheoretischen Diskussion. |
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Saage, Richard 1990: Das Ende der politischen Utopie? Frankfurt/Main, S. 13-25. Koselleck, Reinhart 2006: Die Verzeitlichung der Begriffe, in: ders.: Begriffsgeschichten, Frankfurt/Main, 77-86. Spann, Othmar 1972 (1921): Der wahre Staat. Vorlesungen über Abbruch und Neubau der Gesellschaft. (Gesamtausgabe, Bd. 5) Graz. |
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21.01.10 |
Die österreichische Revolution Österreich scheint ein an Revolutionen armes Land zu sein; in der österreichischen Literatur dominieren weniger die Kampfschriften denn der satirische oder legitimierende Umgang mit der Revolution. Die Vorlesung spannt den Bogen von der Aufnahme der Französischen, der „Großen Revolution“ (Walter Benjamin) bis zum Mai 1968, dessen „Abwesenheit“ hierzulande zu legitimieren war. Der November 1918 wiederum ist als „Revolution“ umstritten, er zeitigte jedoch zahlreiche literarische Spuren, etwa bei Franz Werfel. Und selbst die „richtige“ Revolution 1848 blieb literarisch mit einer Satire in Erinnerung: Johann Nestroys „Freiheit in Krähwinkel“. Ein Denken außerhalb der Legitimationsdiskurse ist selten, aber dennoch zu finden, hier lohnt der Blick auf Hermann Broch, von dem aus der Vortrag eine Brücke zu Hannah Arendts großem Revolutionsbuch (1963) schlägt. |
Wolfgang Straub ist Lehrbeauftragter am Institut für Germanistik der Universität Wien und Mitarbeiter des FWF-Projekts „Tropen des Staates. Denkfiguren des politischen Gemeinwesens in Literatur, Film und Staatstheorie der Zwischenkriegszeit“, er arbeitet zudem als Literaturkritiker und Verlagslektor. Zahlreiche Buchpublikationen, zuletzt: Salzburg. Ein literarischer Reisebegleiter. Frankfurt/M.: Insel 2008. |
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Johann Nestroy: Freiheit in Krähwinkel. Stuttgart: Reclam 1986. |
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28.01.10 |
Der Staat, der an einem Sprachfehler zugrunde gegangen
ist Musil entwirft mit „Kakanien“ das Bild eines Staates, dessen hauptsächliche Tätigkeit darin besteht, seiner Untätigkeit den Anschein größter Bedeutsamkeit zu verleihen. Diese planmäßige Untätigkeit macht „Kakanien“ zum Gegenbild der „überamerikanischen Stadt“, in der alle Tätigkeiten möglichst schnell und passgenau ineinandergreifend ausgeführt werden. „Kakanien“, der „österreichischen und ungarischen österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie“, fehlt nicht zuletzt das Staatsvolk. Denn eine Identifikation mit dem Staat scheitert schon an dessen Unaussprechlichkeit. So ist dieser auf einer Fiktion beruhende Staat der fortgeschrittenste, weil er „sich selbst irgendwie nur noch mitmachte“ und damit die Staatsfiktion überhaupt ad absurdum führt. |
Roland Innerhofer lehrt Neuere deutsche Literatur an der Universität Wien. Zahlreiche Arbeiten zur Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, zur Phantastik, Theorie und Praxis der Avantgarden, Medienästhetik sowie zum Wechselverhältnis von Literatur, Technik, Architektur, Film und neuen Medien. Letzte Buchpublikation: Bauformen der Imagination. Ausschnitte einer Kulturgeschichte der architektonischen Phantasie (Herausgeber, Wien 2007). Leitung der FWF-Projekte „Regulierungswissen und Möglichkeitssinn 1914-1933“ sowie „Tropen des Staates“.. |
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Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. Insbes.: Kap. 8 aus "Erster Teil - Eine Art Einleitung" und Kap. 98 aus "Zweiter Teil - Seinesgleichen geschieht". |
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